Selbstorganisatorische Hypnose

Auch wenn wir im Alltag oft nicht den Eindruck haben, dass wir unser Leben selbst organisieren, sondern uns förmlich fremdgesteuert vorkommen, ist doch der Mensch als eigenständiges System selbstorganisatorisch. Jeder reagiert aus sich selbst heraus auf sein Umfeld.

Dabei ist es natürlich interessant zu wissen, in welche Richtung diese Selbstorganisation erfolgt. Die Annahme liegt nahe, dass jeder Mensch sich in seine individuelle Richtung entwickelt. Allerdings würde das voraussetzen, dass der Mensch tatsächlich als Individuum agiert, also im eigentlichen Wortsinn als „ungeteilter“ und somit ganzer Mensch.

Im echten Leben jedoch ist dies kaum einmal der Fall. Im Verlauf der frühkindlichen Hirnentwicklung prägen sich zahlreiche Erfahrungen ein, bedingt durch den Alltag, Fehlinterpretationen des noch unausgereiften Gehirns und gut gemeinten, psychologisch aber falschen Annahmen der Eltern. Bis unser Gehirn sich vollständig entwickelt hat, sammeln wir eine Vielzahl unterschiedlichster Erfahrungen. Lernen welche Emotionen vom Umfeld erwünscht sind und welche es zu unterdrücken gilt. Wir eignen uns mehr oder weniger sinnvolle Strategien an, um mit dem Leben zurechtzukommen. Und bilden dabei innere Anteile. Unser Selbst ist nicht mehr ungeteilt, nicht mehr individuiert. 

Selbst-Individuation

Den Begriff der Selbst-Individuation prägte C.G. Jung. Er verstand darunter „eine Art von innerem Wissen, wie der einzelne Mensch werden soll und wie er ein ihm gemäßes, glückliches und vor allem sinnvolles Leben führen kann.“

Die Anteile, die wir in der Kindheit während der Entwicklung des Gehirns bilden, sind nahezu automatisch anspringende und dann ablaufende Handlungsstrategien oder Muster. Sie waren zu dem Zeitpunkt, als sie entstanden, eine sinnvolle Reaktion. Wenn wir erwachsen sind, sind sie aber häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr sinnvoll. Außenstehende nehmen solche Verhaltensweisen oft irritiert wahr, als nicht situations- oder altersgemäße Reaktion. Diese Irritation unseres Umfeldes könnte für uns ein Hinweis sein, einmal genauer auf uns selbst zu schauen.

Tun wir das, entdecken wir Handlungsbedarf und ändern uns im positiven Sinne.

Tun wir das nicht, unternimmt unser Unbewusstes den Versuch, uns wieder „auf den richtigen Pfad“ zu bringen. Dazu erzeugt es beispielsweise Symptome.

In der Humanistischen Hypnose ist es nicht unser primäres Ziel, diese Symptome zu bekämpfen. Sondern wir streben das Ziel an, die Anzahl der inneren Anteile bestmöglich zu reduzieren. So fördern wir die Selbst-Individuation und die Symptome erledigen sich von selbst.

Die Funktion der Symptome im Zusammenhang mit der Selbst-Individuation

Wenn wir von Symptomen sprechen, meinen wir hinderliche oder belastende Verhaltensweisen oder Beschwerden. Das könnte beispielsweise ein Stottern sein, Phobien (wie die übertriebene Angst vor Spinnen), körperliche Reaktionen auf bestimmte Situationen, und so weiter. Das Unbewusste erzeugt diese Symptome so lange, bis der Mensch aufmerksam wird und etwas verändert, was ihn seinem ihm gemäßen inneren Lebensplan wieder näher bringt.

Selbstverständlich gibt es auch Symptome, die auf einer rein körperlichen, biochemischen oder genetischen Ebene entstehen. Doch sehr viele Symptome, die sich körperlich äußern, entstehen rein oder hauptsächlich in der psychischen Ebene. Über diese sprechen wir. 

Solche Symptome werden in der Selbstorganisatorischen Hypnose als wertvolle Botschaften begriffen, da sie uns darauf hinweisen, dass ein Problem besteht, das gelöst werden muss.

Autosystemhypnose

Der Nervenarzt Götz Renarz entwickelte aus der Hypnose nach Milton H. Erickson die erste Form der Selbstorganisatorischen Hypnose, die Autosystemhypnose.

Humanistische Hypnose

Auf der Grundlage der Autosystemhypnose, aus der praktischen Anwendung mit Hochbegabten heraus und unter Einbeziehung der aktuellen Hirnforschung entwickelt das HiQ-Institut seit 2011 die Humanistische Hypnose.